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Aktualisiert am: 2010/11/11
Zusammenfassung Fragestellung
Die Ghaibat des zwölften Imam der Schi´ah stellt die Imaamat-These in Frage.
Frage
Die Ghaibat des zwölften Imam der Schi´ah stellt die Imaamat-These in Frage.
Eine kurze

Da die Frage ganz allgemein gestellt ist, ohne einen näheren Hinweis auf einen Widerspruch zwischen „Ghaibat“ und der Imaamat-These, ist es notwendig, zunächst einmal die Aufgaben des Imam zu nennen, um dann zu klären, ob diese mit der Ghaibat übereinstimmen oder nicht.

Für das Imaamat, das in der Nachfolge der Prophetschaft beruht, nur mit dem Unterschied, dass göttliche Offenbarungen für es nicht zutreffen, gelten die gleichen Pflichten und Aufgaben des Propheten. Die wichtigsten davon sind:

Maßnahmen, deren Ziel die Errichtung der Gottesherrschaft ist sowie, die Menschen aus der Tyrannei der Gewaltherrscher zu befreien. Da Revolution und Herrschaft ein gesellschaftliches Geschehen sind, bedarf es der Führung einer von der Gesellschaft akzeptierten Person. Von dieser kann nicht erwartet werden, dass sie unter jeder Voraussetzung und Bedingung und in jedweder zeitlichen Situation Schritte unternimmt, um die Regierung in die Hand zu bekommen. So sehen wir, dass der verehrte Prophet (saa) in der Zeit vor seiner Auswanderung nach Medina nichts in dieser Hinsicht unternahm, was keineswegs auf ein Versagen in seiner Funktion als Prophet zurückzuführen ist, sondern auf die misslichen sozialen Umstände in jenen Tagen. Auch die Zeit der Ghaibat des zwölften Imam ist vergleichbar mit der zu Beginn des Islam, auch sie ist voller Unruhen, Wirren, Intrigen und Konflikte. Das heißt, von ihm seine befreiende revolutionäre Bewegung zu erwarten, bevor der Weg zu ihr geebnet ist, wäre deplaciert. Andererseits sehen wir, dass seine Revolution, in der es um die Realisierung von Recht und Gerechtigkeit geht, als sein wesentlichstes Merkmal erörtert wird. Somit steht seine Ghaibat in keinerlei Widerspruch zu dieser seiner großen Aufgabe, sondern ist als Zeichen für die Religionsflucht in der Gesellschaft und das geringe Interesse der Menschen an einer islamischen Regierung zu werten.

 

Aufklärung über Gott, Seine Religion und Rechtleitung der Menschen. Darin besteht die zweite wesentliche Verpflichtung des Imam, die bisweilen direkt und manchmal indirekt wahrgenommen wird. Ebenso wie der Prophet des Islam infolge großer Schwierigkeiten und ab und an fehlender Möglichkeiten, deretwegen die Menschen nicht zu ihm konnten, gottesfürchtige und islamkundige Lehrer in nahe und ferne Regionen sandte, damit sie dort die Leute über Gott und Seine Religion aufklärten und rechtleiteten. Dies ist genau das, was „Imam e Samaan“ (a.dsch), also der Imamder Zeit (a.dsch)durch seine ganz speziellen „Naayebaan“ (Stellvertreter) oder Botschafter während seiner kurzfristigen Ghaibat und später seine allgemeinen „Naayebaan“ in der Zeit seiner langfristigen Ghaibat tat und tut. Diese Aufgaben, die wir aus der Reihe seiner vielen Aufgaben und Pflichten erwähnten, sind Beispiel und Nachweis dafür, dass seine Ghaibatin keinster Weise mit dem Imaamat in Widerspruch steht. Abgesehen davon aber sind Wohl und Segen des Imam für die Menschheit weitaus wesentlicher als seine Aufgaben und keinesfalls davon abhängig, ob er sichtbar und erkennbar oder aber unerkannt bzw. „verborgen“ ist.

 

Der Imam ist die Seele der Welt und die (gottgewollte) „Achse“ der Bahn von Erde und Gestirnen. Oftmals wiesen die des Gesandten Gottes (saa) Ahl ulBayt (as) daraufhin, dass dann, wenn es auf Erden keinen Imam (a) gäbe, diese ihre Bewohner „verschlucken“ würde.Der Imam ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde und derjenige, der den Segen Gottes übermittelt. Sein „Do´aa“ wird erhört, und sein Wollen und Anliegen ist voll und ganz gut und segensreich. In den die rechtleitenden Imame (as) betreffenden Gedenkschriften (Siaaratnaameh) wird auf diesen Aspekt häufig hingewiesen wird.

Die Gott Ergebenen und Verbundenen haben verschworene Feinde, deren Anführer Satan ist. Auch der Imam (a.dsch)mit seinem heiligen Einfluss auf die Seelen der Menschen bewahrt sie vor zahllosen Verirrungen und Abgründen und hilft ihnen auf den rechten Weg. Dies alles sind Beispiele für den Segendes in der Anonymität (Ghaibat) befindlichen Imams (a.dsch.), auf den in den bekannten Hadiessen des verehrten Propheten (saa) aufmerksam gemacht und in denen der Imam (a.dsch) als „Sonne hinter den Wolken“ bezeichnet wird.Denn wenngleich die Menschen ihren Imame Samaan (Imam der Zeit) nicht als Imam erkennen und sehen, haben sie doch unentwegt an dem Segen seines Seins teil.

ausführliche Antwort

Besagte Frage ist verallgemeinernd und unklar. Es geht aus ihr nicht hervor, mit welchem Aspekt der Imaamat-These die Ghaibat(Anonymität) des Imam nicht übereinstimmt. Daher ist es angezeigt, auf die Aufgaben des Imam separat bzw. getrennt einzugehen, um anschließend ihre Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung mit der Ghaibat erörtern zu können.

Das Imaamat ist die Fortsetzung der Prophetschaft[1]. Dem Imam obliegen die gleichen Aufgaben und Pflichten, die der Prophet wahrzunehmen hat, nur eben, dass die göttlichen Offenbarungen bzw. die Hinabsendung der koranischenAayaat bereits abgeschlossen ist und die damit verbundene Verpflichtung, die der Prophet zu erfüllen hatte, für den Imam nicht gilt. Das heißt also, dass dem Imam ebenso wie dem Propheten drei wesentliche Verpflichtungen obliegen[2]:

Maßnahmen zur Bildung einer (gottgewolltenislamischen) Regierung und zur Erlösung der Menschen von Joch und Tyrannei,.

Sie über die Religion Gottes aufzuklären

und sie den richtigen Weg zu weisen.

Dies sind also die drei wesentlichen Aspekte in der Skala seiner Verpflichtungen.Wenn aber ungeeignete gesellschaftliche Voraussetzungen oder aber eine schwächliche und schlaffe islamische Gesellschaft dazu führen, dass der Imam(a) einigen seiner Verpflichtungen, die beidseitig sind und auch von der islamischen Gesellschaft mitgetragen werden müssen, nicht nachkommen kann, so hat das selbstredend nichts mit einem Versagen oder Versäumnis des Imam zu tun. Völlig klar, dass dies nicht als Widerspruch zur Imaamat-These bzw. –Philosophie zu verstehen ist. Dinge wie Aufstand (gegen Tyrannei, Kofr und Scherk) und Bildung einer islamischen Regierung bzw. Herrschaft sind gesellschaftliche Vorgänge, die eines geeigneten und vorbereiteten Weges bedürfen, um das Ziel erreichen zu können. Wenn wir sagen wollten, dass es Aufgabe des Führenden ist, sich unter allen Umständen und Bedingungen, auch wenn dies nicht zum Wohle der Muslime wäre, zu erheben und die Regierung in die Hand zu nehmen, würde das reichlich töricht sein. Immerhin wissen wir, dass der Prophet des Islam vor seiner Auswanderung, das heißt solange er in Mekka war, aufgrund der misslichen gesellschaftlichen Situation jener Tage sogar hinsichtlich einer offenkundigen und allen sicht- und wahrnehmbaren Durchführung der islamischen Pflichten (z.B. Gebet)erheblichen Schwierigkeiten ausgesetzt war, geschweige denn, dass er sich dazumal hätte erheben und die Regie in die Hand nehmen können! Dies ist etwas, das man ihm keinesfalls als Versäumnis oder Schwäche vorwerfen könnte, sondern macht lediglich die unwirtlichen Verhältnisse jener Zeit deutlich, die eine islamische Regierung nicht zuließen. (Bis er nach Medina auswanderte und dort eine islamische Regierung errichten konnte)

Solchen Schwierigkeiten (in seiner frühen Zeit in Mekka) war jedoch nicht nur der Prophet (saa)konfrontiert. Wir sehen, dass es Säumigkeit, Gleichgültigkeit, Vergesslichkeit, Feindseligkeiten und Religionsflucht der Menschen auch in der Zeit der Imame (as) gab, was dazu führte, dass ihnen die Verwirklichung einer tatsächlich islamischen Regierung verwehrt blieb. Dies aber ist keineswegs einem Manko der Imaamat-Philosophie zuzuschreiben, geschweige denn ihnen.

Ebenfalls die langfristige GhaibatImam Mahdis (a.dsch) steht mit den Verpflichtungen des Imam (a.dsch) nicht im Widerspruch. Grundsätzlich wird dann, wenn die Möglichkeit der Durchführung der göttlichen Gebote im Rahmen einer islamischen Regierung gegeben ist, die Ghaibat des Imam beendet sein. Vielleicht kann man sagen, dass das wesentlichste Merkmal des zwölften Imam (a.dsch)[3] in seiner weltweiten, von göttlicher Gerechtigkeit getragenen Regierung beruht. Mit anderen Worten, angesichts dieser, für deren Verwirklichung er sorgen wird, kann seine Ghaibat nicht als im Widersspruch zur Imaamat-These verstanden werden.

Doch nun zurzweiten Dimension seiner Verpflichtungen:

Da es dem Propheten (saa) zu Beginn des Islamnicht möglich war, selber in alle Orte und Gebiete zu gehen und die dortigen Bewohner über Gott und Sein Wort aufzuklären, entsandte er geeignete, über die islamische Religion informierte und den Koran auswendig wissende Lehrer zu ihnen.[4]Ein guter und sinnvoller Brauch des Propheten (saa), den er zur Verbreitung der Religion Gottes und des islamischen Wissens hinterließ.

Auch der zwölfte Imam (a.dsch) nutzte während seiner kurzfristigen Ghaibat diesen Weg. Mittels seiner speziellen Stellvertreter (Naayebaan), die er ernannte, sorgte er dafür, dass den Bedürfnissen der Menschen hinsichtlich Wissen und religiöser Instanz entsprochen wurde. Ein Vorgehen, dass auch nach der kurzfristigen Ghaibat fortgesetzt wurde, wenngleich in anderer Form. Das heißt, indirekt bestimmte er mittels seiner vorher von ihm erlassenen Weisungen ganz allgemein (das heißt ohne Namensnennung) diejenigen, die dieserAufgabe gewachsen waren und an die sich die Gläubigen hinsichtlich ihrer Fragen, Unklarheiten und hinzugekommenen Probleme wenden konnten.[5]

Doch das ist nicht alles, denn immerhin ist es möglich, dass etwas eintritt, auf das auch diese Naayebaankeine Antwort haben. In einem solchen Fall ist es, dass der Imam der Zeit (Imam e Samaan) den Befähigten jener Tage entweder selber sagt, was zu tun ist oder aber ihnen auf andere Art und Weise den Weg, der zu gehen ist, zeigt. Nähere Informationen hierzu sind in der islamischen Fiqh-Literatur und zwar die Anschauung der „Edschmaa´edokhuli“[6]betreffend zu finden oder aber in den Schriften jener, die den Imam (a.dsch) persönlich erlebten.

Bezüglich der drittenwesentlichen Aufgabe des Imam(a.dsch) ist das gleiche zu sagen wie zuvor schon, nämlich: Seine Ghaibatsteht weder mit ihr noch der Imaamat-These bzw. –Philosophie im Widerspruch.Und da wir dies bereits erklärten, erübrigt es sich, es noch einmal zu wiederholen.Doch auf zwei Punkte sollte noch aufmerksam gemacht werden und zwar:

Die Ghaibat des Imam ist keine körperliche. Wie wir wissen, hat auch er, ebenso wie die anderen der Gesellschaft, ein ganz natürliches Leben, nur dass sein Leben gemäß göttlichem Willen von sehr langer Dauer ist. Aber auch das widerspricht nicht den biologischen Gesetzen und auch nicht der Logik. Wenn wir also von der Ghaibat des zwölften Imam sprechen, ist seine Ghaibat, seine Anonymität als Imam gemeint. Das heißt, bis zu seinem Erscheinen gibt er sich der Allgemeinheit als Imam und Wali nicht zu erkennen.

Das, was eben im Zusammenhang mit der Imaamat-These und –Philosophie gesagt wurde, betraf seine Aufgaben, seine Verpflichtungen. Doch einiges ist, dass wir miterleben und beobachten können, nämlich die göttliche Gnade und Barmherzigkeit, die uns durch ihn zuteil wird.Beispielsweise:

Gemäß der Belehrungen des Propheten (saa) Ahl ulBayt (as) ist der Imam(gemäß göttlichen Willens und Bestimmens) die „Seele der Welt“[7] und die „Achse“ des Seins oder Nicht-Seins der Welt“. Aus Rewaayaat ist zu erfahren: „Wenn die Erde ohne Imam wäre, würde sie augenblicklich die Menschen verschlucken.“[8]

Der Imam ist der Übermittler der göttlichen Huld und derjenige, der das Hinabkommen des himmlischen Segens zu den Menschen durchführt.Daher lesen wir in Rewaayaat und in die Reinen Imame (as) betreffenden Gedenkschriften (Siaaratnaamehs): „Der Himmel lässt es dank eurer regnen, und dank eurer lässt das Erdreich Bäume hervorwachsen und dank eurer tragen die Bäume Früchte.“[9]

Sein Einfluss auf die Seelen[10] der Menschen, um sie vor Irrungen und Satan-Hörigkeit zu bewahren. Dies ist etwas, das in den heiligen Monaten und Zeiten wie Moharram, Ssafar und … besonders häufig zu beobachten ist. Weltweit.

 

Dies waren einige wenige Beispiele des Segens des sich anonym bzw. inkognito haltenden Imams (a.dsch), von dem der Gesandte Gottes (saa) sagte, dass die Leute an seinem segensreichen Dasein teilhaben wie an dem, von der hinter Wolken verborgenen Sonne ausgehenden Wohl.[11]

Diese schönen Worte des Propheten (saa) sind voller feiner und wissenschaftlicher Aspekte und Hinweise, über die Sie sich in etlichen darüber berichtenden Büchern[12] informieren können[13]:

MesbaahYasdi, Mohammad Taqi, „Amusesch e ´qaayed“

Tabaatabaa´i, Sseyyed Mohammad Hussain, „Schi´ehdarIslam”

Tabari, Mohammad ebnDschorair, “Dalaaa´el al Imamah”

Ssobhaani, Dscha´far, “Faraashaai as taarikhe Payaambar e Islam”

SchaikhHor´Aameli, “Wassaa´elSschi´eh”

Mosafar, Mohammad Redsaa, „Ossul al fiqh“

Pischwaa´i, Mahdi, “Ssireh e pischwaayaan”

Kolini, „“Ossul e kaafi“

EbnQoleweyQomi, „Kaamel al siaaraat“

Kharaasi, Sseyyed Mohssen, „Bedaaytolma´aaref e elaahiyeh“

Madschlessi, MohaamadBaaqer, „Bihaarolanwaar“

Qaswini, Sseyyed Mohammad Kaasem, „Imam Mahdi as Welaadattaasohur“, übersetzt: Karami, Ali; Hussaini, Sseyyed Mohammad



[1]MesbaahYasdi, Mohammad Taqi, „Amusesch ´Aqaayed“, S. 306

[2]Tabaatabaa´i, Mohammad Hussain, „Schi´ehdarIslam“, S. 176

[3]Al Tabari, Mohammad ebnDschorair, “Dalaa´el al Imamah”, S. 240

[4]Ssobhaani, Dscha´far, “Faraashaai as taarikhPayaambarIslam”, S. 307

[5]SchaikhHorAameli, “Wassaa´el e Schi´eh“, B. 18, S. 101

[6]Mosafar, Mohammad Redsaa, “Ossul al feqh”, S. 358

[7]Pischwaa´i, Mahdi, “Ssireh e pischwaayaan”, S. 719

[8]Kolini, “Ossul e kaafi”, B. 1, S. 179

[9]EbnQoleweyQomi, “Kaamel al siaaraat”, zweite Siaarat

[10]Kharaasi, Sseyyed Mohssen, “Bedaayatma´aaref e elaahiyeh”, B. 2, S. 153

[11]Madschlessi, Mohammad Baaqer, „Bihaarolanwaar“, B. 52, S. 93

[12]Qaswini, Sseyyed Mohammad Kaasem; übersetzt: Karami, Ali; Hussaini, Sseyyed Mohammad, “Imam Mahdi as welaadattaasohur“

[13] Zu weiteren Informationen nachzulesen in Abhandlungen: Imam Mahdi as nasar e Schi´eh“, S. 168; „Fawaa´edwodschudi e Imam e Samaan dar ´assr e ghaibat“, S. 654; „Falssafeh e ´omrtulaani e Imam“, S. 221

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